Umbau

Raumkonzept im Ganztag

Vorhaben
Schule Rothestraße
Stand November 2015

Entstehung
Das Projekt „Jahrgangszonen in der Grundschule Rothestraße“ ist Bestandteil der Umwandlung der Schule in eine gebundene Ganztagsschule. Ausgangspunkt ist die Erfahrung von Ganztagsschulen z.B. im skandinavischen Raum, dass das Lernen im Ganztag ein verändertes Raumkonzept benötigt. Der Raum hat für alle Personengruppen neue Aufgaben zu leisten, muss neuen Anforderungen gerecht werden.

Die Gebäude der Schule Rothestraße sind in drei unterschiedlichen Epochen gebaut worden, mit jeweils anderen Vorstellungen von Lernarrangements. Die Lernformen der heutigen Zeit sind in diesen Räumen nicht vorgesehen. Zudem verfügt die Schule über eine große Fläche an Fluren, an sanitären Anlagen, die dem Lernen u.a. wegen der geltenden Brandschutzordnung nicht zugänglich gemacht werden dürfen. Besonders die drei aneinandergefügten Häuser des Gebäudes an der Rothestraße weisen je eine eigene, aber keine gemeinsame Struktur auf, so dass das Gebäude unübersichtlich und ohne einen roten Faden erscheint und dies auch so ausstrahlt. Besucher finden im Allgemeinen den Eingang nicht, da die historischen Eingänge zugunsten eines modernen Eingangsfoyers geschlossen worden sind. Damit fehlt der Schule die Anbindung an den Stadtteil.

Im Zuge der baulichen Maßnahmen zur Schaffung eines Speiseraumes wurde mit der BSB und SBH vereinbart, dass die vorhandene Fläche der Pausenhalle zur Speiseneinnahme umgerüstet wird, aus der kleinen Bistroküche eine Schulküche entsteht, in der frisch gekocht werden kann, und dass aus dem verbleibenden Rest des Budgets die Schulräume zu Jahrgangszonen umgebaut werden.

Lernlandschaften und Jahrgangszonen
Neue pädagogische Erkenntnisse und zeitgemäße Unterrichtsmethoden definieren Schule in erster Linie als Lern- und Lebensort. Dieser wird zunehmend durch individuelle Lernkonzepte, eigenverantwortliches Arbeiten einzelner oder in Gruppen bestimmt. Diesen Lernkonzepten müssen auch die zur Verfügung stehenden Schulräume und Schulgebäude entsprechen.

In einer Jahrgangszone sollen alle Kinder eines Jahrgangs gemeinsam unterrichtet werden. Dafür sollen die Flure dem Lernen zur Verfügung stehen. Der eigentliche Klassenraum wird reduziert auf eine ausreichend große Fläche für das Zusammenkommen der Klasse im Kreis zum Besprechen, für die Einführung neuen Lernstoffs, für Frontalphasen, und für Einzelarbeitsplätze. Die Jahrgangszonen müssen räumlich und architektonisch differenzierte Aufenthaltsqualitäten bieten, die über den abgeschlossenen Klassenraum hinausweisen. Der Unterricht kann einzeln, in kleineren und größeren Gruppen erfolgen. Bereiche, in denen Frontalunterricht stattfindet, sind vorgesehen, stehen aber nicht im Mittelpunkt. Neben den aktiven Zonen müssen geschützte Raumbereiche für individuelles Lernen und Rückzugsmöglichkeiten für Schüler wie für Lehrer zugänglich sein. Sinnvoller Weise sind auch die Lehrerarbeitsplätze in den jeweiligen Jahrgangszonen anzuordnen.

Es sollen vor allem zusammenhängende und untereinander verknüpfte Raumbereiche geschaffen werden, die spontan und multifunktional und im gesamten zeitlichen Rahmen des Ganztages genutzt werden können.

Vorhaben in den Gebäuden der Schule Rothestraße
Für das Karl-Theodor-Gebäude und den Neubau werden lediglich veränderte Nutzungszuordnungen und Raumnutzungen vorgeschlagen.

Für die Einrichtung von Jahrgangszonen müssen vor allem der Altbau und der alte Anbau Rothestraße verändert werden. Hier sind die Defizite hinsichtlich einer klaren und offenen Raumstruktur am größten. Die Gebäude sind verwinkelt, nach Kriegszerstörungen mehrfach ergänzt und umgebaut und sie lassen keine Orientierung zu. Die langen und innen liegenden Flure wirken dunkel und unwirtlich. Neben der Einrichtung von zwei Jahrgangszonen im 1. und 2. Obergeschoss müssen auch das Erdgeschoss und das Dachgeschoss in die Überlegungen einbezogen werden. Da davon auszugehen ist, dass bereits geringfügige Veränderungen zum Verlust des Bestandschutzes führen werden, muss eine veränderte Brandschutzordnung in Form von Brandschutzkompartments geltend gemacht werden. Ohne Brandschutzkompartments lässt sich eine ineinander übergehende Raumaufteilung, wie sie für die Jahrgangszonen unumgänglich sind, nicht erreichen.

(Text: Susanne Wagner)